_überwältigung

Ein Virus. Fieber. Gliederschmerzen. Arzt. Geburtstagsfeier. Die letzten Tage. Freudentränen. Abschied. Kopfschmerzen. Umzug. Kopfschmerzen. Glück. Ball. Kopfschmerzen. Eingewöhnen. Kopfschmerzen. Nachdenken. Nachdenken. Nachdenken. Kopfschmerzen. Unglück. Glück. Kopfschmerzen.

Manchmal verfalle ich eine depressive Phase. Und muss mich verstecken für ein paar Tage. Dann scheint die Sonne. Und  dann passiert irgendwas schönes. Dann gehts mir wieder gut. Diesmal ist das anders. Es passieren tolle Dinge. Viele! Und trotzdem geht es mir immer schlechter. Wien zeigt sich von seiner tollsten Seite, ich unterschrieb heute den Vertrag für einen guten Job, meine beste Freundin will mit mir zusammenziehen. Es geht mir schlecht. Und dieser Kopfschmerz. Am liebsten würde ich die vom Arzt verschriebenen Pillen alle auf einmal nehmen, damit es für immer aufhört. Der Kopfschmerz. Und alles andere. Ich habe das Gefühl, diese Welt einfach nicht mehr ertragen zu können. Und nicht, weil in Afrika Kinder verhungern, überall Krieg auf der Welt herrscht und Menschen von Grund auf böse und schlecht sind. Nein, einfach, weil ich nicht mehr kann und will. Ich kann diese Energie nicht mehr aufbringen und ich weiß nicht, wie man glücklich wird. Ich weiß es nicht. Gibt es eine Spritze dafür? Für das Glücklich Sein? Ich versuche rational zu denken. Schau, dein Leben ist doch nicht so schlecht. Ein Jahr vor dem Abschluss des Masters, gute Kontakte zu deinem Institut, eine Familie, die dich halbwegs unterstützt, gute Freunde, ein Dach über dem Kopf, nun einen neuen Job und einen Freund, der dich liebt. Was macht dich so unglücklich? Und warum? Kopfschmerzen.

_trainride

(Vom 13. Januar 2011)

Im Moment befinde ich mich in einem Zug von Venlo nach Rotterdam. Venlo, die Stadt, bei der ich mir nie sicher war, ob sie nun auf deutscher oder auf holländischer Seite liegt – Der im Bahnhof befindliche Smullers bestätigt mir letzteres.
Ein paar Tage in Österreich, ein paar Tage in Deutschland und schwupps- ist der Pseudourlaub auch vorbei und ich bin schon wieder auf dem Weg in meine Wahlheimat Leiden. Ganze drei Wochen habe ich noch übrig in dieser liebevollen Stadt und danach geht der Wahnsinn wieder los mit umziehen, neuen Nebenjob suchen, Lehrveranstaltungen raussuchen und nochmal umziehen. Den einfachsten Weg habe ich mir ja nicht gerade ausgesucht. Und schlafen lässt mich das ganze momentan ja auch nicht unbedingt friedlich.

 Es ist interessant, wie sich die Landschaft draußen und die Gesellschaft im Zug doch ändert. Gerade noch habe ich auf das Rheinufer gesehen und die wunderschön kahlen Weinberge betrachtet, blicke ich nun auf kleine rote Einfamilienhäuser im Flachland. Im DB IC in Deutschland hatte ich genügend Platz und Ruhe für eine Folge Modern Family, dann in die S-Bahn mit 20 minütiger Stehpause und nun im stilte Raum der NS, wo sich Leute nur bedingt an die Ruheregeln halten. Der Junge schräg gegenüber zeichnet die Sitze der Bahn in sein DIN A4 Moleskine, während der nach Architektur-Student-aussehende junge Mann vor mir genüsslich irgendwas von Smullers verdrückt – ja, ich erkenne es am Geruch. Ich versuche, mit meinen Mandarinen gegen zu halten.

 Bahn fahren. Der Ärger über die Unfreundlichkeit einiger Zugschaffner und über die horrenden Preise der deutschen Bahn haben mich ja irgendwie davon abgehalten, weitere Strecken mit dem doch umweltfreundlicheren Verkehrsmittel zurückzulegen und stattdessen den zeitsparenden (und meistens kostengünstigeren) Flieger zu nehmen. Seitdem ich aber in Holland wohne, habe ich mich ja irgendwie daran gewöhnt. Jetzt machen mir die fast 6 Stunden nach Hause mit drei Mal umsteigen auch nur noch wenig aus und 20 – 30€ sind dann auf die Entfernung auch mehr als in Ordnung. Und Schaffner in Holland sind sowieso eine Sensation. Von Unfreundlichkeit keine Spur, im Gegenteil! Unzählige Male haben sie die Gäste mit ihrer lustigen und zuvorkommenden Art zum Lachen gebracht. Wahrscheinlich hätte ich ihre Witze auch so gut gefunden, wenn ich besser Holländisch könnte.